Auf Zimmer 323 Fing alles an

   Das Ganze liest sich in etwa so, wie die bekannte Geschichte von Tellerwäscher, der es in einem New Yorker Hotel nach zäher Arbeit zu Millionen brachte, zumindest auf den allererten Blick, der Start von Mazda in Deutschland an diese Story.

Es war an einem Herbsttag des Jahres 1972, als Masayuki Kirihara auf dem Düsseldorfer Flughafen einer Maschine entstieg und sich zunächst in einem Hotel einmietete. Der Zufall wollte es gar, daß ihm Zimmer Nummer 323 zugewiesen wurde, später kam mit dieser Zahlenkombination ein äußerst erfolgreiches Mazda-Auto auf den deutschen Markt.

Die nächste Handlungen des Japaners waren bis ins letze mit dem Mazda-Management in Hiroshima abgestimmt und wurde von Kirihara mit typisch japanischer Präzision erledigt: Treffen mit einem Immobilienmakler und Auftragsvergabe zur Anmietung von Büroräumen; Kontak zu einem Personalberater und Suche nach qualifzierten Kaufleuten und Technikern; Sammlung und Auswertung aller verfügbarer Daten zum deutschen Automobilmarkt.

Schließlich ließ Kirihara am 23. November 1972 die Mazda Motors (Deutschland) GmbH in das Düsseldorfer Handelsregister eintragen. Schon bald nach Vollzug dieses Schritts hatte der erste Mazda-Deutschland-hef sechs Leute um sich versammelt, denen er zielstrebig das Konzept der neuen deutschen Importzentrale erklärte.

Am 1.März 1973 - in der Zwischenzeit waren einige Partner zur Vermarktung der Fahrzeuge gefunden, der Grundstock für das heute dichtgeknüpfte Händlernetz gebildet - begann der Verkaufsstart. Die “ Operationszentrale” wurde nach Hilden dei Düsseldorf verlegt. Und als das Jahresende 1973 nahte, hatte man grade 400 Einheiten neuer Mazda-Farzeuge auf dem deutschen Markt abgesetzt. Ein eher ernüchterndes Ergebnis, vonn dem sich Kirihara aber nicht entmutigen ließ. Dann bei der Planung einer Verkaufsoffensive für den deutschen Markt war man in Japan ohnehin von zunächst bescheidenen Ergebnissen ausgegangen. Außerdem gehört es zu den tugenden der Japaner, nicht gleich kein beizugeben, sondern intensiv daran zu arbeiten, das gesteckte Ziel zu erreichen.

Die darauffolgenden Jahre waren geprägt von einem ständigen Wachstum des Fabrikats, sowohl in den Absatzzahlen und in der Zahl der Händlerbetriebe als auch in der Kopfstärke der Zentrale, in der Ende 1976 fast 100 Mitarbeiter beschäftigt earen. Das Jahr 1977 sollte dann zu einem Schlüsseljahr für Mazda in Deutschland werden. Denn hatte man bisher vornehmlich bemehr dem amerikanischen Geschmack enstprechen, so folgte im Frühjahr 1977 mit dem ersten Mazda 323 ein konsequent für Europa gebautes Automobil.

Diese Kompakt-Fahrzeugbaureihe läutetee eine neue Epoche für die gesamte Mazda-Politik weltweit ein. Denn man begann in Hiroshima, die Autos für Europa, für Deuschland zu kreieren. Auf Anhieb wurde der erste Mazda 323 ein Erfolsauto, bereits 1979 folgte mit dem ersten Mazda das zweite, konsequent europäisch gestylte Modell.

Dieses hatte Folgen für die deutsche Dependance. Bereit 1978 wurde der Firmensitz der deutschen Importzentrale nach Leverkusen-Hitdorf verlegt, weil das alte Stammhaus Hilden aus allen Nähten platzte. Die Gesamtorganisation hatte sich gefestigt, bei mehreren hundert Händlerbetrieben hing inzwischen das kleine “m” für Mazda, das Jahr 1979 konnte mit dem sehr beachtichen Ergebnis von 32 398 neu zugelassenen Einheiten abgeschlossen werden.

Die Branche wurde auf Mazda aufmerksam und horchte erst recht auf, als 1979 mit dem ersten RX-7 ein Sportwagen mit Kreiskolbenmotor (Lizenz NSU/Wankel) auf den deutschen Straßen auftauchte. Audi/NSU hatte seinen wankelmotorbetriebenen Ro 80 wenige Jahre vorher eingestellt, Mazda sozusagen das Erbe angetreten.

                                            

1980 holte der japanische Fehrzeugkonzern zum nächsten Schlag aus: Vorgestellt wurde der erste frontgetriebene Mazda 323, der auf dem deutschen Markt auf Anhieb ein Erfolg wurde. Und dann kam das Standbein Nummer zwei - der 626. Im Frühjahr 1983 für den Mark verfügbar, ging dieses Modell in den Zulassungshitlisten ab wie eine Rakete. Und die japanischen Konstrukteure schienen ihre hausarbeiten besonders gut gemacht zu haben, dann der neue 626 schlug auf Anhieb den neuen Mercedes 190 in einem Vergleich der “Auto Zeitung”. Der Erfolg blieb dem 626 auf den Fersen. Denn wer bei “auto, motor und sport” , dem kritischen Stuttgarter Fachmagazin, in Folge (so in den Jahren 1984,1985,1986,1987 und 1988) den Titel “Beste Importlimousine der Mittelklasse” erreicht, muß wohl sehr Ordentliches zu bieten haben.

                                            

323 und 626 waren denn auch die Modelle, die Mazda Deutschland an die Spitze aller japanischen Anbieter auf dem deutschen Markt rücken ließen. Wurden 1982 bereits 40573 neue Mazda Modelle für den bundesrepublikanischen Markt zugelassen, so steigerte sich das Ergebnis für 1987 auf 88014 Neuzulassungen. Und 1989 waren es stattliche 90000 Mazda-Modelle, die vor den deutschen Zulassungsämtern anrollten, die Marke damit wiederum zur Nummer 1 unter den japanischen Anbietern machten. Schon im Geschäftsjahr 1986/87 schaffte Mazda Motors Deutschland einen Umsatz von weit über einer Milliarde Mark (exakt:1,4 Mrd. DM), Tendenz steigend.

Noch mal zum Anfang: 1972 gründet ein Japaner die Firma und 15 Jahre später findet sich dieses Unternehmen im Kreis der Umsatzmilliardäre wieder...

Heute giebt es einen Fahrzeugbestand von rund 600000 Mazdas auf bundesdeutschen Straßen, und gut 1000Mazda-Händler arbeiten flächendeckend für eben diese Firma.

Mazda Deutschland hat die Präsenz auf dem deutschen Markt manifestiert, einerseits durch den Aufbau einer schlagkräftigen Zentrale und durch das gewachsene Händlernetz. Andererseits durch den Bau eines neuen Zentral-Ersatzteillagers mit einem Investitionsvolumen von mehr als 40 Millionen DM. Durch dieses Lager werden die Händler noch schneller mit den benötigten Ersatzteilen versorgt.

Für Mazda ist der deutsche Markt heute, hinter dem der USA, der wichtigste Exportmarkt weltweit. Aber nach Ansicht der früheren Mazda-Präsidenten K. Yamamoto ist Deutschland der Imagemarkt weltweit. Denn Yamamoto und seine Konstrukteure sahen schon vor Jahren in Deutschland einen hohen Standard der Automobiltechnik, durch den die Japaner zu immer neuen Höchstleistungen angespornt wurden und angespornt werden. Und weil dieser Markt so wichtig ist, hat Mazda in Deutschland noch ein Unternehmen, ein Forschungs- und Entwicklungszentrum angesiedelt.

Die Erfolge von Mazda im Autoland Deutschland kommen also nicht von ungefähr. Sie resultieren aus dem Bemühen, ständig dazuzulernen, aus der Kenntnis der Marktes und aus einer klaren Preis-Leistungs-Politik. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.